Eilmeldung:

Liebe Leser, ärgern Sie sich auch über die 2G und 2G+ Regeln, wenn Sie zum Frisör oder einfach einmal essen gehen wollen? Ich zähle hier nicht alle Freiheiten auf, die uns genommen werden in diesen schwierigen Zeiten. Aber es ist schon ärgerlich, dass ich mich im Mai und im Juni, damals noch mit etwas mulmigen Gefühl, habe impfen lassen und nun in der nächsten Woche meine Booster-Impfung bekomme. Dann plagt mich ein Zahn, der unbedingt gezogen werden muss, stellen Sie sich bitte einmal vor, es ist nicht nur ein Zahn der raus muss, sondern der Blinddarm oder sonst eine wichtige OP, die verschoben werden muss, ja, weil ein klitzekleiner Teil der Bevölkerung uns in diese miese Situation gebracht hat. 

Wir, die Geimpften, müssen nun das ausbaden was ein kleiner Prozentsatz unserer Mitbürger verzapft hat. Ein Artikel von Florian Harms beschreibt diese Situation sehr deutlich: https://tagesanbruch.podigee.io/1217-die-freiheit-gegen-covid-verteidigen

Doch bei all den Warnungen darüber, dass auch Geimpfte sich und andere infizieren können, vergessen wir gern eine Sache: Nur ein ganz kleiner Teil der Geimpften landet auf der Intensivstation. Für die meisten Geimpften verläuft eine Covid-Erkrankung weitestgehend harmlos. Sie haben ihren Beitrag für die Gemeinschaft geleistet.
Ich bin auch geimpft. Mir fällt es schwer einzusehen, warum ich wegen der Ignoranz der Ungeimpften und angesichts des politischen Missmanagements meine Freiheit abermals einschränken sollte."

Manfred Ahrens

Am 5. Januar 1945 wurde ich zum RAD (Reichsarbeitsdienst) nach Rastenburg im damaligen Ostpreußen eingezogen. Ich war damals 16 Jahre alt. Durch die Wirren des Krieges waren wir kein Arbeitsdienst mehr, wir wurden eine Wehrmachtstruppe, ausgerüstet mit Gewehren, die in Russland erbeutet waren. Die Ausbildung dauerte nur eine Woche, dann kam plötzlich die Vereidigung und ab da lagen wir in Alarm. Mein Bruder Heinrich Rollwage war in Angerburg (Ostpreußen) bei der Flak. Wir waren ca. 25 km auseinander. Während dieser Zeit hörten wir schon das Schießen der russischen Artillerie.

Für unsere Feldküche wurden zwei Mann gesucht. Ich habe mich dazu gemeldet,  jedoch hatten sich mehrere Kameraden beworben. Ich wurde abgelehnt, wie sagte man: „Pech gehabt“. Einmal mussten wir in der Alarmzeit mit dem Fahrrad zu der Wolfschanze, ca. 8 – 10 km und dort Wache stehen. Wir wussten jedoch nicht, dass wir beim Führerhauptquartier waren. Wir standen auf größeren Hügeln, unter uns sahen wir die Bunker des Führerhauptquartiers. In der nächsten Nacht wurden wir aus den Betten getrommelt und es ging mit dem Fahrrad, mit denen wir im tiefen Schnee und bei - 20 Grad kaum fahren konnten, in Richtung Korsehen-Prassen. Hier lagen wir in der HKL (Hauptkampflinie), die Granaten flogen über unsere Köpfe. Wir waren kurz in einem landwirtschaftlichen Betrieb, die Kühe brüllten im Stall, aber es war keiner mehr da, der die Tiere gemolken oder gefüttert hat. Der Rückzug ging über Bartenstein-Preussisch Eylau. Hier war kaum noch Zivilbevölkerung anzu-treffen, die befanden sich fast alle auf der Flucht. Als wir dann weiter kamen über Zinnten-Heiligenbeil, waren die Straßen voller Flüchtlinge, das waren wohl die Letzten, die auf der Flucht waren. Es war grauenvoll dort, neben der Straße lagen die Leichen von Kindern, Frauen und älteren Leuten, dazwischen tote Pferde und zerbrochenen Flüchtlingswagen.

Zwischenzeitlich waren die russischen Truppen im südlichen Ostpreußen durch-gestoßen und damit waren wir von den feindlichen Truppen auf dem Landweg eingeschlossen. Bei Heiligenbeil fuhren wir mit dem Fahrrad übers frische Watt nach Narmeln auf der Nehrung. Das Wasser war gefroren, jedoch stand auf dem Eis ca. 10 cm Wasser. Dieses kam nicht vom Tauen, sondern russischen Flugzeugen warfen Bomben auf die brüchige Eisdecke, um den Rückzug bzw. die Flucht zu verhindern. Viele Menschen haben Narmeln nicht erreicht und ertranken. Auch unsere Feldküche, besetzt mit zwei Mann und 2 Pferden, brach durch das dünne Eis und alle fanden im eiskalten Wasser den Tod. Mein Glück war, dass ich nicht zur Feldküche gekommen bin.

Als wir über Narmeln in Stutthoff ankamen, lebten von 120 Mann unserer Abteilung (Kompanie) noch 36 Mann. Ein Teil der Kameraden lag mit erfrorenen Gliedern im Lazarett, die Übrigen waren umgekommen.

 

In Danzig angekommen, wo wir einige Tage waren, plagten uns Läuse und nachts kamen in den alten Baracken noch die Wanzen dazu. Zum Glück wurden wir nach Bayern verlegt und kamen in die Nähe von Regensburg. Die Fahrt war mit einem Güterzug, in dem wir kein Stroh zum Liegen hatten. Die Fahrt dauerte genau eine Woche, davon benötigten wir ein Tag nur durch das zerstörte Berlin.

 

Inzwischen war ich 17 Jahre alt geworden. Nach ca. einer Woche in der Nähe Regensburg hatten wir unsere 10 Wochen Pflichtdienst beim RAD geleistet und hofften, nach Hause zu kommen. Jedoch wurden wir geschlossen am 15. März der Wehrmacht übergeben.

In München wurden wir neu aufgeteilt. Ich kam ich nach einer Woche Ausbildung nach Füssen (Allgäu) an die Front. Durch die starken amerikanischen Truppen wurden wir zum Rückzug gezwungen und kamen am 2. Mai in der Nähe von Fürsten-feldbruck in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Wir wurden nach Heilbronn gebracht, wo ein großes Gefangenenlager war. Es waren dort ca. 600 000 Gefangene. Nach 3 Tagen kam die erste Verpflegung, für 100 Mann gab es ein Brot.

 

Nach ca. 3 Monaten Gefangenschaft hinter Stacheldraht kam ich im August nach Hause. Die Reise von Heilbronn bis Jerstedt dauerte sechs Tage, teils auf Kohle-waggons, teils zu Fuß. Von Frankfurt bis Göttingen fuhren wir mit einem LKW ohne Plane mit ca. 25 Leuten. Dieser Wagen fuhr nach Braunschweig, da aber zu der Zeit um 20.00 oder 21.00 Uhr Sperrstunde war, mussten wir in Göttingen absteigen. Der LKW hatte Sondergenehmigung und konnte weiterfahren. Das war am Freitagabend, erst am Montagmittag erreichte ich meinen Heimatort Jerstedt.

 

 

Wilhelm Rollwage

Fleischermeister

Jerstedt                                                                                                                  

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die Jerstedter setzen die Pflanzaktion „Jerstedt blüht auf“ aus den
vergangenen Jahren fort. Finanziell unterstützt wird auch diese
Aktion wieder von dem Ehrenamtsfond der HarzEnergie.
In diesem Jahr werden anstatt von Krokussen 40 Obstbäume
am Ortsrand gepflanzt. Diese verschiedenen Apfel-, Kirschen-,
Zwetschen- und Birnensorten sollen auf dem nördlichen
Grenzwall am Ortsrand zwischen Gewerbegebiet und Feldmark,
von Jerstedter Bürgerinnen und Bürgern am

Sonnabend, den 13.11.2021 um 9.00 Uhr
Treffpunkt: nördlich des Kreisels „Am Pfennigstücken“

Nähe Biogasanlage

in die Erde gebracht werden. Falls möglich, bitte Spaten und
Gießkanne mitbringen.
Empfohlen werden festes Schuhwerk, warme Arbeitskleidung
und Handschuhe.
Die Pflanzlöcher werden vorab mit einem Minibagger ausgehoben.
Ein Fachmann schneidet die Wurzel und Baumtriebe fachgerecht
zurück. Die Bäume sind ca. 2,50 m hoch und müssen an dem Tag
gepflanzt und an Stützpfählen befestigt werden. Wasser zum
Einschlämmen der Wurzeln steht zur Verfügung. Anschließend
wollen wir noch 10 Nistkästen für die heimischen Vögel und
Ansitzstangen für die Greifvögel aufstellen.

Wir schaffen damit einen wunderbaren Grüngürtel am Ortsrand
aus alten bewährten Obstsorten, der in wenigen Jahren den
Menschen und vor allem den heimischen Insekten und der
Kleintierwelt Lebensraum und Nahrung bieten kann. Wer
zusätzlich einen Baum (75,- €) spenden möchte, wende sich bitte
an den Unterzeichner.
Aus diesem Grund bittet die Stadtteilgemeinschaft Jerstedt
herzlich um Ihre Teilnahme und tatkräftige Hilfe!! Beschließen
werden wir die Pflanzaktion mit einer lockeren Grillrunde für Alt
und Jung.

Stadtteilgemeinschaft Jerstedt
Christian Rehse

 

Stadtteilgemeinschaft Jerstedt e.V. • Bielsteinstraße 2 • 38644 Goslar - Jerstedt

(01 71) 8 68 31 02 • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Amtsgericht Braunschweig VR 110642
Vorsitzender: Christian Rehse, stellv. Vorsitzende: Claudia Kreisel,
Schriftführer: Michael Hille, Kassenwart: Christian Rehse sen.

Nicht weit von der Friedhofskapelle und weitgehend unbeachtet ruhen auf dem Friedhof in Jerstedt zwei deutsche Gefallende, die bei dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 10. April 1945 getötet wurden. Die beiden Jugendlichen Dietrich Thümecke und Dieter Brückersteinkuhl, Angehörige der Luftwaffe, 17 und 18 Jahre alt, stammten aus Berlin und Bonn. Persönliche Daten oder die Lebensgeschichte der Gefallenen sind leider unbekannt. Vermutlich sind sie von der Schulbank oder aus der Lehre von der Reichswehr als „letzte Reserve“ eingezogen und in den sinnlosen Tod geschickt worden.

 

Jahrelang wurde das Grab nicht gepflegt, da es offensichtlich nach der Eingemeindung vergessen worden war. Auf eine Anregung hin hat das Garten- und Friedhofsamt das Grab gärtnerisch in Ordnung gebracht. Der Steinmetz Martin Bergmann, Firma Plateo, Goslar sanierte vor einigen Jahren kostenlos den schon nicht mehr lesbaren Grabstein.

 

Der heutige Besucher fragt sich, wie und wo sind diese jungen Menschen 1945 in Jerstedt gefallen, obwohl sich das Dorf ergeben hatte und der Krieg fast vorbei war? Was können die Worte „ .. und dennoch“ auf dem Gedenkstein uns Bundesbürgern 76 Jahre später bedeuten und welchen Sinn sollen sie haben?

 

 

Die Westfront war im März/April 1945 zusammengebrochen. Es wurde nur noch dort Widerstand durch kleine Einheiten geleistet, wo die Parteileitung der NSDAP Kampfkommandanten mit einem Standgericht eingesetzt hatte.

 

Seit dem 5. April 1945 mussten in der Gemeinde Jerstedt die zurück gedrängten Nachschubkolonnen untergebracht werden. Je näher die Front heranrückte, ließ auch der Durchzug der deutschen Einheiten nach. Am Nachmittag des 7. April wurden noch lange Kolonnen von Fremdarbeitern durch Jerstedt geführt und sollten auf Befehl der Parteileitung von Jerstedter Bürgern nach Halberstadt gebracht werden. Die Begleiter setzten sich angesichts des Chaos jedoch in der Nähe von Vienenburg ab und kehrten nach Jerstedt zurück. Am Sonntag, den 08. April wurde um 11.00 Uhr Fliegeralarm ausgelöst. Wenig später war von Jerstedt aus zu beobachten, wie die amerikanischen Bomberverbände die alte Fachwerksstadt Halberstadt in Schutt und Asche legten. Tausende kamen um Leben, die Rauchwolken und Flammen über Halberstadt waren weithin sichtbar.

 

Auf Anweisung der Parteileitung musste in Jerstedt eine Panzersperre auf der B 6 gegenüber dem ehem. Feuerteich gebaut werden. Am 10. April gegen 13.00 Uhr rückten die US-Truppen von Langelsheim kommend mit schweren Panzern vor. Allerdings befanden sich noch einzelne Gruppen von jungen deutschen Soldanten im Dorf. Von der Nazipropaganda aufgepuscht, waren diese entschlossen bis zum Letzten weiter zu kämpfen.

 

Als die ersten Kampfpanzer die „Große Brücke“ (Standort der Wasserträgerin) erreichten, übergab der damalige amtierende Bürgermeister Rudolf Bosse den amerikanischen Einheitsführer das Dorf als feindfrei. Trotz der Übergabe wurde kurz danach auf den US-Offizier, der auf einem stehenden Panzer stand, geschossen. Dieser brach tödlich getroffen zusammen.

 

Daraufhin eröffneten die US-Soldaten mit Maschinengewehren und Kanonen das Feuer. Die Pfarrscheune (heute Standort des Kirchen-Gemeindehauses) und der Kuhstall und die Scheune des Landwirtes R. Hille (heute Vespermann) gingen in Flammen auf. Die Pferde und Kühe konnten gerettet werden, 50 Schafe verbrannten in den Flammen. Die Feuerwehr Jerstedt durfte erst mit den Löscharbeiten beginnen, als die Kampfhandlungen beendet und nichts mehr zu retten war. Bis vor wenigen Jahren waren die Einschusslöcher in der Jerstedter Kirche und auf dem Grundstück Hille noch sichtbar.

 

Zuvor lagen diese deutschen Soldaten an der Feldscheune (Eigentümer Lindenberg) am Ortsausgang Richtung Langelsheim. Sie wurden von dem Landwirt Rudolf Dieckmann sen. mit dem Hinweis auf die völlig aussichtslose Lage überredet den Widerstand aufzugeben und zogen sich ins Dorf zurück. Nach Aussagen von Robert Hille (überliefert von seiner Tochter Ilsemarie Vespermann) lagen die Soldaten hinter dem Tor seines Hofes und beobachteten die Verhandlungen und töteten gezielt den Panzerkommandanten. Anschließend flüchten sie unversehrt durch die Kirchstraße und über den Friedhof in den Nordhees.  

 

Zur selben Zeit wurde noch von einer kleinen Einheit in Gruppenstärke an der Hahn-dorfer Straße in Höhe des heutigen B 6 – Unterführung  (ehemalige Wiese der Fleischerei Rollwage) Widerstand geleistet. Bei diesen Kampfhandlungen fielen noch zwei deutsche Soldaten. Ein weiterer deutscher Soldat fand auf der Heide (an der Verbindungsstraße nach Bredelem) bei der Verteidigung der Brücke über die Innerste den Tod. Ein Soldat wurde nach dem Krieg in seine Heimat überführt, während die Soldaten Dietrich Thümecke und Dieter Brückersteinkuhl auf dem Jerstedter Friedhof  beigesetzt wurden

 

Nachdem die Kampfhandlungen beendet waren, ließ der Einheitsführer den Bürger-meister Rudolf Bosse holen, der ihm das Dorf feindfrei übergeben hatte. Er sollte sofort auf dem Kahnstein erschossen werden. Da er glaubhaft versichern konnte, dass er über die kämpfenden deutschen Soldaten nicht unterrichtet worden war und sein einziger Sohn auch in Russland gefallen sei, nahmen die US-Soldaten von der sofortigen Erschießung Abstand. Bei den widersprechenden Befehlen der Parteileitung waren wahrscheinlich auch die deutschen Soldaten von Ihrer Kompanie nicht davon unterrichtet worden, dass die Gemeinde Jerstedt als feindfrei den US-Truppen übergeben worden war. Stattdessen wurde nun von den Amerikanern der Befehl gegeben, den NS-Ortsgruppenleiter Hermann Achilles herbeizuschaffen. Falls dieser nicht bis 18.00 Uhr aufzufinden sei, sollten drei Geißeln aus dem Ort erschossen werden. Auf Grund dieser Tatsache steigerte sich die Erregung und Unruhe in Jerstedt von Stunde zu Stunde.

 

Der  Ortsgruppenleiter wurde von Bürgern aus Jerstedt in den Wäldern Soetz und Wohlkamp gesucht und auch gefunden. Nach seiner Darstellung habe er von der Parteileitung den Befehl erhalten, sich in den Harz abzusetzen und dort im Volkssturm weiter zu kämpfen.

 

Nach langen Verhandlungen mit dem Chef der amerikanischen Ein­heit über die verbrecherische Tat, kam man zur Überzeugung, dass hier eine Verletzung des Völkerrechts vorlag. Die verwerfliche Tat wurde dadurch gemildert, das von zwei Jerstedter Bürgern unter Eid ausgesagt wurde, dass der Schuss auf den US-Offizier nicht von einem Volkssturmmann oder Zivilisten, sondern von einem deutschen Soldaten abgefeuert wurde. Auf Grund der Aussage wurde von einer Erschießung der drei Jerstedter Bürger Abstand genommen.

 

Nach der Besetzung von Jerstedt mussten alle Waffen einschließlich Jagdwaffen: abgegeben werden. Diese wurden von den amerikanischen Soldaten zerschlagen und zum größten Teil in den Feuerteich ge­worfen. Der US-Einmarsch wurde von den polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die in einem Lager in Jerstedt untergebracht waren, jubelnd begrüßt. Aufgrund der Ausgangssperre durften die Einwohner nur am Tage wenige Stunden ihre Wohnung verlassen. Während im Oberharz immer noch gekämpft wurde, war die Reichsbahn stillgelegt, das Post- und Fernmeldewesen ruhte. Lediglich die Stromversorgung war gewährleistet. Außer in den lebensnotwendigen Betrieben, wurde in allen Gewerbe- und Industrieunternehmen, nicht mehr gearbeitet. Die Schule in Jerstedt und die Mittel- und Oberschulen in Goslar waren geschlossen.

 

Die Frühjahrsbestellung stand an. Hier bewährte sich die alte Dorfgemeinschaft. Alle Beschäftigen, die zuvor in der Industrie- oder im Gewerbe gearbeitet hatten, halfen nun in der Landwirtschaft tatkräftig mit. Die polnischen Kriegsgefangenen die bisher die Arbeit in der Landwirtschaft leisten mussten, wurden von der Kommandatur in der Gastwirtschaft Niedersachsenkrug untergebracht. Unter großen Schwierigkeiten und gegenseitiger Nachbarschaftshilfe der landwirtschaftlichen Betriebe untereinander, kam die Frühjahrsbestellung 1945 doch noch zum Abschluss.

 

Die Panzersperren mussten von der Bevölkerung wieder beseitig werden. Der Schutt der abgebrannten Gebäude wurde von freiwilligen Helfern aufgeladen und mit pferde-bespannten Ackerwagen abgefahren. Besonders hart hatte es die Familie des Landwirtes Robert Hille getroffen. Neben dem Verlust der Gebäude waren im Laufe des Krieges seine beiden Söhne und der Schwiegersohn gefallen.

 

Allmählich normalisierte sich das Dorflebern in Jerstedt. Am 01. Juli 1945 hatte die britische Militärbehörde die Regierungsgeschäfte übernommen. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die englische Besatzung setze wieder Personen in der Kommunalwirtschaft ein, die 1933 aus politischen Gründen bei der Machtübernahme der NSDAP zurücktreten mussten.

 

(aus den Aufzeichnungen von Heinrich Lohse und Robert Fricke, beide Jerstedt)   

 

Christian Rehse